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Individualisierte Unterstützung für Eltern

Präsident Othmar Karas: „Individuelle Beratung für Familien zum richtigen Zeitpunkt ist eine nachhaltige und leistbare Investition in die Lebenschancen unserer Kinder!“

"Trotz der wachsenden Informationsflut zum Thema Erziehung nimmt die Verunsicherung der Eltern laufend zu - mit besorgniserregenden Konsequenzen!“, stellt Hilfswerk-Präsident Othmar Karas bei einer Pressekonferenz des Hilfswerks heute, Montag, 18. April, in Wien, fest. Besonders drastisch zeige sich das beispielsweise im Bereich der Gesundheit der Kinder. Dazu Karas: „Der Gesundheitszustand unserer Kinder wird immer schlechter. Wir müssen diesen besorgniserregenden Trend endlich wirksam stoppen! Allgemeine Information ist zu wenig. Es braucht individuelle Unterstützung für Eltern. Gerade bildungsferne und sozial schwache Familien würden davon besonders profitieren!“.

Besondere Herausforderung im Bereich der Gesundheitserziehung

Die Ernährungswissenschafterin Christina Lachkovics-Budschedl präsentierte im Rahmen der Pressekonferenz des Hilfswerks alarmierende Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Ernährungsgewohnheiten von Kindern in Österreich und zu den verheerenden Folgeerkrankungen im Kontext. Sie zeigte aber auch praktische Ansätze zu Verbesserung der Situation auf. Der Sportwissenschafter Thomas Mlinek erläuterte den - immer noch zu wenig bekannten, aber signifikanten - Zusammenhang von Bewegung in der Jugend mit der geistigen bzw. Gehirnentwicklung. Auch er schlug angesichts der aktuellen Situation in Österreichs Familien besorgte Töne an. Das Ausmaß an Bewegung sei im Hinblick auf eine gesunde Entwicklung der Kinder durchschnittlich viel zu gering. Beide Wissenschafter gingen in ihren Ausführungen auf die besondere Herausforderung und Bedeutung der Gesundheitserziehung ein. (Die Referate stehen rechts zum Download bereit.)

Verpflichtende Beratung ist besser als ihr Ruf

„Unserer praktische Erfahrung zeigt, dass viele Eltern in Erziehungsfragen tatsächlich verunsichert sind - nicht nur, aber gerade auch hinsichtlich der Gesundheitserziehung ihrer Kinder.“, sagt Martina Genser-Medlitsch, klinische und Gesundheitspsychologin beim Hilfswerk. „Gerade sozial schwache und bildungsferne Familien, deren Kinder oft in besonderer Weise von gesundheitlichen Problemen betroffen sind, nutzen unverbindliche und allgemeine Informationsangebote wenig bis gar nicht. Wir erreichen sie mit herkömmlichen Beratungs- und Veranstaltungsangeboten einfach nicht. Es braucht individualisierte Beratung und Begleitung - aber auch Verpflichtung. Verpflichtende Beratung ist besser als ihr Ruf. So sind beispielsweise unsere Erfahrungen mit der vor wenigen Jahren eingeführten verpflichtenden Beratung vor Scheidungen nach §95 Außer Streitgesetz ausgesprochen positiv!“, meint Genser-Medlitsch. „Sogar Eltern, die vor dem Gespräch skeptisch waren, sind danach positiv überrascht und nehmen wertvolle Anhaltspunkte für sich und ihre konkrete Situation aus der Beratung mit.“, erläutert Genser-Medlitsch.

Paket an kostenlosen, individuellen Reflexionsgesprächen

„Wir fordern ein Paket an kostenlosen, individuellen Reflexionsgesprächen zu den wichtigsten Themen der Erziehung für alle Eltern und Erziehungsberechtigten.“, präsentierte Präsident Othmar Karas einen konkreten Vorschlag des Hilfswerks. „Wenn Eltern und Erziehungsberechtigte zum richtigen Zeitpunkt individuell unterstützt und beraten werden, dann könnten alle Beteiligten vielen Herausforderungen präventiv und wirksam begegnen. Themen wie die Entwicklung eines Kindes mit Körper, Geist und Seele, pädagogische Grundlagen, Gesundheitserziehung, Bildung und Ausbildung und das Freizeitverhalten könnten dabei ebenso eingebunden werden wie Themen, die den Eltern und Erziehungsberechtigten individuell in ihrer konkreten Situation wichtig sind.“, so Karas. „Wir schlagen vor, dass pädagogisch-psychologisches Fachpersonal im öffentlichen Auftrag diese individuellen Beratungsgespräche durchführt. Das sind Familienberatungsstellen, freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, qualifizierte Beraterinnen und Berater entsprechend den österreichweit geltenden Qualitätskriterien.“, erläutert Karas.

Fünf Gespräche in zehn Jahren, für 30 Euro pro Kind und Jahr

„Wir schlagen vor, dass während der ersten 10 Lebensjahre des Kindes insgesamt fünf individuelle Reflexionsgespräche angeboten werden: Im ersten Lebenshalbjahr, am Beginn des zweiten Lebensjahres, mit Eintritt in den Kindergarten, mit Beginn der Volksschule und am Übergang in die weiterführende Schule. Bis zum fünften Lebensjahr könnten diese Unterstützungseinheiten in das System des Mutter-Kind-Passes eingebunden sein. Danach könnte man sie mit den Voraussetzungen zum Schuleintritt bzw. der Schulanmeldung verbinden.“, so Karas weiter. „Wir rechnen damit, dass die Maßnahmen für jedes Kind in den ersten zehn Lebensjahren in Summe rund 300,-- Euro kosten. Das sind 30,-- Euro pro Kind und Jahr. Dieser Betrag scheint uns mehr als vertretbar. Schließlich geht es um die Verbesserung der Lebenschancen unserer Kinder. Aber auch um die Vermeidung erheblicher volkswirtschaftlicher Folgekosten. Diese werden beispielsweise im 5. Bericht zur Lage der Jugendgesundheit 2014 mit 400.000,-- Euro pro Fall und Lebensspanne alleine für gesundheitliche Maßnahmen bei Kindern beziffert“, so Karas abschließend.

Die heutige Pressekonferenz war auch der Start zur Hilfswerk Jahresinitiative "Kinder fördern. Eltern helfen.", mit Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung, Öffentlichkeitsarbeit und der Hilfswerk Family Tour, einer Road Show mit rund 50 Stationen in Österreich. Partner sind Wiener Städtische, s Bausparkasse, Erste Bank und Sparkassen s Versicherung, Jako-o sowie Neuroth.