Roland Wallner, stellvertretender Geschäftsführer des Hilfswerk Österreich und ausgebildeter Architekt, hat im Interview mit dem Magazin smartbuildingscompass darauf aufmerksam gemacht, dass ältere Menschen in überhitzten Wohnungen oft besonders wenig Handlungsspielraum haben. Sie können nicht einfach in den Park gehen, spontan ausweichen oder rasch bauliche Maßnahmen umsetzen. Genau deshalb braucht es einfache, leistbare und sofort umsetzbare Lösungen.
Warum Hitze für ältere Menschen besonders gefährlich sein kann
Der Körper braucht Abkühlung, vor allem in der Nacht. Wenn die Temperaturen auch nachts hoch bleiben und die Wohnung nicht mehr auskühlt, wird Erholung schwieriger. Für ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität kann das zu einer ernsthaften gesundheitlichen Belastung werden. Besonders betroffen sind Menschen, die allein leben, wenig Unterstützung im Alltag haben, in schlecht gedämmten Wohnungen wohnen oder große südseitige Fenster ohne ausreichenden Sonnenschutz haben. Für sie kann die eigene Wohnung im Sommer zur Hitzefalle werden.
Was kurzfristig helfen kann
Viele bekannte Empfehlungen sind einfach, aber dennoch wichtig: tagsüber Fenster geschlossen halten, direkte Sonneneinstrahlung vermeiden, nachts und frühmorgens lüften, ausreichend trinken und körperliche Anstrengung reduzieren. Doch oft braucht es zusätzlich praktische Lösungen, die unmittelbar in der Wohnung umsetzbar sind.
Ein besonders einfacher Tipp von Roland Wallner lautet: den kühlsten Raum der Wohnung oder des Hauses suchen – und ihn im Sommer bewusst anders nutzen. Wenn etwa das Schlafzimmer auf der Südseite liegt, kann es sinnvoll sein, den Schlafplatz vorübergehend in einen kühleren Raum zu verlegen. Das klingt banal, kann aber gerade in heißen Nächten spürbar entlasten. Auch einfache Verschattungsmaßnahmen können helfen. Wer keine außenliegenden Rollläden oder Raffstores hat, sollte zumindest innen abdunkeln und direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Noch wirksamer ist außenliegender Sonnenschutz, weil die Hitze dann gar nicht erst auf die Fensterscheibe trifft.
Mögliche Maßnahmen im Überblick
- Den kühlsten Raum in der Wohnung identifizieren und im Sommer stärker nutzen.
- Den Schlafplatz bei Bedarf vorübergehend verlegen.
- Tagsüber Fenster und Vorhänge geschlossen halten.
- Frühmorgens und nachts lüften, sofern es draußen kühler ist.
- Direkte Sonneneinstrahlung möglichst vermeiden.
- Außenliegenden Sonnenschutz prüfen, etwa Rollläden, Raffstores oder Jalousien.
- UV- oder Sonnenschutzfolien als leistbare Maßnahme prüfen lassen.
- Bei starker gesundheitlicher Belastung auch technische Kühlung pragmatisch in Betracht ziehen.
- Angehörige, Nachbarinnen und Nachbarn oder Betreuungspersonen rechtzeitig einbeziehen.
Was Angehörige tun können
Angehörige spielen beim Hitzeschutz eine wichtige Rolle. Gerade alleinlebende ältere Menschen sollten an sehr heißen Tagen nicht sich selbst überlassen bleiben. Ein kurzer täglicher Anruf kann helfen, rechtzeitig zu erkennen, ob jemand Unterstützung braucht. Sinnvoll ist es auch, gemeinsam durch die Wohnung zu gehen und zu prüfen: Welcher Raum bleibt am kühlsten? Gibt es Fenster mit starker Sonneneinstrahlung? Wird tagsüber ausreichend verschattet? Ist genug Wasser griffbereit? Gibt es jemanden, der im Notfall rasch vorbeikommen kann? Hitzeschutz beginnt oft nicht mit großen Investitionen, sondern mit Aufmerksamkeit, Planung und Unterstützung im Alltag.
Warum es mehr Forschung und pragmatische Lösungen braucht
Langfristige Maßnahmen wie thermische Sanierung, bessere Dämmung oder klimaangepasste Stadtplanung sind wichtig. Doch sie helfen jenen Menschen nicht unmittelbar, die heute in einer überhitzten Wohnung sitzen. Roland Wallner fordert deshalb mehr Aufmerksamkeit für leistbare, rasch umsetzbare Akutmaßnahmen. Es braucht bessere Evidenz darüber, welche Lösungen in der Praxis tatsächlich helfen: Wie wirksam sind Sonnenschutzfolien? Wie viel bringt außenliegende Verschattung in einem Altbau? Welche Maßnahmen sind für ältere Menschen realistisch finanzierbar und schnell verfügbar? Denn Hitzeschutz ist keine Luxusfrage. Es geht um Lebensqualität, Gesundheit und Sicherheit im Alter.
Unser Fazit
Die eigene Wohnung soll auch im Hochsommer ein Ort sein, an dem man gut leben kann. Dafür braucht es Bewusstsein, praktische Tipps, Unterstützung durch Angehörige und mehr politische sowie wissenschaftliche Aufmerksamkeit für vulnerable Gruppen. Das vollständige Interview mit Roland Wallner ist im Online-Magazin smartbuildingscompass erschienen: „Wenn die Wohnung zur Hitzefalle wird: Was können ältere Menschen jetzt tun, Roland Wallner?“