„Ihr Enkel hatte einen schweren Unfall.“ „Ihre Tochter braucht dringend eine Operation.“ „Hier spricht die Polizei.“
Schockanrufe beginnen häufig mit Nachrichten, die Menschen in eine emotionale Ausnahmesituation versetzen sollen. Die Geschichten unterscheiden sich – die Methode dahinter ist ähnlich: Angst erzeugen, Zeitdruck aufbauen und verhindern, dass Betroffene in Ruhe nachdenken oder eine zweite Person einschalten.
Als Hilfswerk begleiten wir täglich ältere Menschen, Familien und Angehörige in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Dabei geht es immer auch darum, Selbstständigkeit, Sicherheit und Vertrauen im Alltag zu stärken. Professioneller Telefon- und Onlinebetrug kann genau diese Sicherheit erschüttern – finanziell, aber auch emotional. Deshalb informieren wir über typische Betrugsmaschen und darüber, wie man sich und andere schützen kann.
Wie funktionieren Schockanrufe?
Bei Schockanrufen geben sich Kriminelle beispielsweise als Polizistinnen oder Polizisten, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, medizinisches Personal oder Bankmitarbeitende aus. Anschließend schildern sie eine dramatische Situation. Ein Angehöriger soll einen schweren Verkehrsunfall verursacht haben. Eine nahestehende Person sei in Haft. Ein teures Medikament müsse sofort bezahlt werden. Oder Bargeld und Schmuck müssten vor angeblichen Einbrechern „in Sicherheit gebracht“ werden. Häufig folgt unmittelbar eine Geldforderung.
Drei besonders wichtige Warnsignale
Telefonbetrüger setzen meist auf drei einfache Mechanismen:
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Angst: Die Geschichte soll Sie emotional treffen. Gerade die Sorge um Kinder oder Enkelkinder kann dazu führen, dass Menschen spontan reagieren, bevor sie die Situation überprüfen.
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Zeitdruck: „Sie müssen sofort handeln.“ „Es bleibt keine Zeit.“ „Die Übergabe muss jetzt erfolgen.“ Zeitdruck soll verhindern, dass Sie nachdenken oder jemanden um Rat fragen.
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Geheimhaltung: Besonders misstrauisch sollten Sie werden, wenn Sie ausdrücklich aufgefordert werden, niemandem von dem Gespräch zu erzählen. Kriminelle wollen damit verhindern, dass eine zweite Person die Geschichte hinterfragt.
Was soll ich bei einem verdächtigen Anruf tun?
Wenn Sie nun also tatsächlich in die Situation geraten und einen solchen Anruf erhalten, hilft es, sich an folgenden Punkten zu orientieren:
- Gespräch beenden: Sie dürfen jederzeit auflegen. Sie müssen ein Gespräch nicht aus Höflichkeit fortführen.
- Geschichte unabhängig überprüfen: Rufen Sie die angeblich betroffene Person selbst an. Verwenden Sie dafür eine Telefonnummer, die Sie bereits kennen – nicht eine Nummer, die Ihnen der Anrufer nennt. Ist die Person nicht erreichbar, kontaktieren Sie andere Angehörige oder eine Vertrauensperson.
- Keine Informationen über Geld geben: Sagen Sie unbekannten Personen nichts über:
- Bargeld im Haus
- Kontostände
- Schmuck
- Wertgegenstände
- Vermögensverhältnisse
- Keine Wertsachen übergeben: Übergeben Sie aufgrund eines überraschenden Telefonanrufs niemals Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände an fremde Personen. Auch angebliche „Boten“ sind ein Warnsignal.
- Polizei kontaktieren: Wenn Ihnen der Anruf verdächtig vorkommt, können Sie die Polizei unter 133 kontaktieren.
Sprechen Sie vorher darüber
Die beste Vorbereitung beginnt, bevor ein solcher Anruf kommt. Besprechen Sie mögliche Szenarien im Familien- und Freundeskreis. Eine einfache gemeinsame Regel kann beispielsweise lauten: Geld oder Wertsachen werden niemals allein aufgrund eines überraschenden Telefonanrufs übergeben. Legen Sie auch fest, welche Person im Zweifelsfall angerufen wird. Das kann in einer Stresssituation Sicherheit geben.
Wenn es bereits passiert ist
Schämen Sie sich nicht. Professionelle Tätergruppen arbeiten gezielt mit Angst, Druck und psychologischer Manipulation. Sichern Sie vorhandene Informationen und wenden Sie sich an die Polizei. Wenn Geld überwiesen wurde, kontaktieren Sie zusätzlich möglichst rasch Ihre Bank.