Hand aufs Herz: Wie viel haben Sie sich heute schon bewegt? Erwachsene sollten mindestens 150 Minuten pro Woche moderat aktiv sein und zweimal pro Woche Kräftigungsübungen durchführen. Unter „moderat“ fallen Aktivitäten mittlerer Anstrengung, bei denen man sich noch unterhalten kann, wie zügiges Gehen, Tanzen oder Radfahren. Diese Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation gelten auch für Menschen ab 65 Jahren, wenn es ihre gesundheitliche Situation zulässt.
„Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“
„Bewegung gehört zum Menschsein und bringt in jedem Alter vielfältige Vorteile“, betont Dr. Regina Roller-Wirnsberger, Professorin für Altersmedizin an der Medizinischen Universität Graz. Mit zunehmendem Alter ändert sich der Stoffwechsel in der Zelle. Dadurch können chronische Entzündungen und Erkrankungen begünstigt werden. Bereits ab dem 30. Lebensjahr setzt der altersbedingte Abbau der Muskelmasse ein. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können diesen Prozessen entgegenwirken und dazu beitragen, Krankheiten vorzubeugen oder ihren Verlauf zu mildern.
Im späteren Lebensalter kommen noch weitere Aspekte dazu: Sich zu bewegen und mobil zu sein, ist für die Selbstständigkeit und Lebensqualität älterer Menschen von entscheidender Bedeutung. Körperliche Aktivität stärkt das Herz-Kreislauf-System sowie Muskeln und Knochen, hält beweglich, verbessert die Balance, beugt Stürzen vor und ist auch für die Gesundheit des Gehirns ein wichtiger Baustein. Mit Bewegung lässt sich also viel bewirken, auch im höheren Alter.
Wie viel sich Menschen im Alter bewegen, hängt nicht nur von ihren körperlichen Möglichkeiten ab, sondern hat auch mit ihrer Motivation und Gewohnheiten aus jungen Jahren zu tun. Hatte ich immer schon Freude an Bewegung, fällt es mir auch im Alter leichter, aktiv zu bleiben. Umgekehrt ist es für (mehr) Bewegung aber nie zu spät, Möglichkeiten gibt es viele: „Vielleicht finde ich etwas, das mir Spaß macht und mich gleichzeitig bewegt und fordert. Das können Hobbys sein wie Tanzen oder Wassergymnastik, ein gemeinsamer Nordic-Walking-Nachmittag mit Bekannten oder die regelmäßige Turnstunde in der Gemeinde“, so Dr. Roller-Wirnsberger. Auch der Alltag lässt sich durch kleine Änderungen bewegter gestalten: Stiegen steigen, den Einkauf mit dem Fahrrad erledigen, eine Straßenbahnstation früher aussteigen, Wartezeiten für einfache Anspannungsübungen nutzen, …
Zusätzlich können Ziele dabei helfen, die nötige Motivation für Bewegung und Kraftübungen zu finden. Entscheidend ist, diese Ziele individuell maßzuschneidern. Für Menschen, die mit körperlichen Einschränkungen leben oder sich nach einem Krankenhausaufenthalt erst wieder zu Hause einfinden müssen, könnten etwa folgende Ziele in Frage kommen: im eigenen Wohnbereich selbstständig mobil bleiben oder wieder werden; eine bestimmte Strecke ohne Pause zu Fuß zurücklegen; ein Haustier versorgen; mit den Enkelkindern im Garten spielen. „Der Erhalt eines Ist-Zustandes, wie weiterhin in den eigenen vier Wänden zu wohnen oder für sich selbst zu kochen, kann ein Ziel
sein und zu Bewegung motivieren“, sagt Dr. Roller-Wirnsberger.
Für die Fach- und Pflegekräfte des Hilfswerk Österreich ist Bewegung Teil ihres Auftrags in der Arbeit mit älteren Menschen. Auch hier kommen Ziele zum Einsatz. „Wir legen gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden
sowie den Angehörigen individuelle und realistische Ziele fest. Bei Bedarf holen wir uns Expertise aus der Physiotherapie dazu. Den Zielen entsprechend bauen wir Bewegungsübungen und Aktivitäten in die Pflege- und
Betreuungsmaßnahmen ein“, erläutert Angelika Kuhn, Fachbereichsleitung für Pflege beim Hilfswerk Österreich, und fügt hinzu: „Es darf jedoch nie einen Zwang zur Bewegung und Mobilisation geben.“ Zu bedenken
sei außerdem, dass für Menschen mit starken Einschränkungen schon kleine Bewegungen oder kurze Wege ein wichtiges Training sein können.
Ob aus Freude an der Aktivität oder mit einem Ziel vor Augen – regelmäßige Bewegung tut gut. Für ältere Menschen ist eine Kombination aus Ausdauer, Muskelkräftigung sowie Übungen für Balance und Gleichgewicht ideal. Fachkräfte helfen dabei, den Bewegungsmix an persönliche Bedürfnisse und Fähigkeiten anzupassen. Übrigens: Zwischendurch kann Bewegung auch gerne mal anstrengend sein, denn: „Man darf auch mit 87 Muskelkater haben“, so Dr. Roller-Wirnsberger.
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